Das
Interview mit Pat Rosenmeier führte Dr. Veit Görner, Direktor
der KestnerGesellschaft, Hannover im März 2007
Einführung in das Werk der Künstlerin
Veit Görner: Frau Rosenmeier, mit Ken Lum, Jeff Wall, Stan Douglas
oder Jannett Cardiff und Angela Bulloch haben wir bisher international
erfolgreiche kanadische Künstler kennen gelernt, die konzeptuell
oder in den neueren Medien wie Fotografie, Video oder Installation
beheimatet sind.
Sie aber malen. Ist das eine Abgrenzung?
Pat Rosenmeier: Nein überhaupt nicht. Ich schätze diese
Künstler sehr, besonders Jeff Wall, der ja ganz entscheidend der
Fotografie neue
Möglichkeiten aufgezeigt hat. Meine Entscheidung Bilder zu malen
hat nur damit zu tun, dass ich bis jetzt nur in diesem Medium eine
Phantasie
habe bestimmte Bildvorstellungen umzusetzen. Malen ist halt was ganz
anderes als Fotografieren. Jede „Technik“ hat ihre eigenen
Minenfelder.
VG: Malerei ist heute sehr breit gefächert zwischen Abstraktion
und Gegenständlichkeit, eine Positionierung zwischen den Erben
Kandinskys
und den Malern nach fotografischen Vorlagen. Ein Antagonismus oder, von
mir auch eine künstlerische Vorliebe, zwischen Inhalten und Formen,
zwischen immanenten Fragen des Malen, also Handwerklichkeit und ihrer Verweigerung.
Was treibt Sie?
Nun, wenn Sie so wollen, ganz verkürzt, ich will (malen) Farbe auf
meiner Leinwand verteilen. Mich interessiert das Arbeiten mit Pinsel
und Farbe
und ich will schauen, was es da Neues zu entdecken gibt. Gute Bilder
bestehen aus guten Stellen, ich meine nicht unbedingt schöne
Stellen.
Gute Stellen können auch bewusste Entscheidungen für
schlechte Stellen sein. Es ist ein Nebeneinander. Komposition finde ich
für mich unpassend,
weil ich ja einen realen Gegenstand zur Vorlage nehme, auch wenn ich
mich nicht als gegenständliche Malerin begreife. Ich schaue dabei
auf O’Keefee,
Baselitz oder Kirkeby, auch an Förg, bei seinen Bleibildern, die
ja nichts anderes als Architekturen sind, nur eben sehr ausschnittshaft
oder zugespitzt.
VG: Die Titel Ihrer aktuellen Arbeiten heißen alle nach einer Pflanze, der Magnolie. Wie kommt es dazu?
Ganz unspektakulär. Ich habe eine Magnolie im Garten und die hat
mich einfach inspiriert. Ich habe sie fotografiert, abgemalt und das
Aquarell auf die
Leinwand projeziert, also ein paar Verfremdungsebenen eingebaut. Wenn
Sie die Vorzeichnung auf der Leinwand sehen würden, wäre nur
noch mit sehr
viel Phantasie eine Gegenständlichkeit erkennbar. Mir reicht, dass
ich weiß, an was ich arbeite. Das Interesse ist ja nicht mit
einem Motiv erledigt. Es ist
viel mehr die Frage, was gibt es an Facetten her, die meine Malerei
weiterbringen. Das ist wie eine Versuchsanordnung mit immer neuen
Varianten.
Die Magnolie ist beliebig, es hätte auch etwas anders sein
können. Sie müssen sich das wie bei Pollocks
„drippings“ vorstellen. Er hatte eine Methode für
sich gefunden, die in unendlich vielen Bildern immer neue Fragen aufwarfen, die er beantworten wollte.
So ähnlich ist es auch bei mir. Black Magnolia z.B. war mein
erstes schwarzes Bild. Natürlich denke ich dabei an Malewitsch
oder Ad Reinhard.
Das schwarze Bild ist ja eine kunsthistorische Tatsache und keine
gegenständliche Wirklichkeit, oder haben Sie schon mal eine
schwarze Magnolie gesehen?
Ich mal, weil ich bestimmte malerische Verfahren auf allgemein
kunstgeschichtliche Fragestellungen anzuwenden versuche. Ich hab das
Schwarze Quadrat
nicht zu verantworten aber ich will mich zu ihm verhalten. (weil ich es sehr mag)
VG: Was ist mit Urban Magnolia oder Hurricane Magnolia
Das sind beides „freie Radikale“, also aus einem gewissen
Übermut entstandene Bilder. Es gibt bei mir bei jedem Bild Stellen
oder Augenblicke des Zweifels.
Manchmal sehe ich kein zurück zum eigentlichen Ziel. Dann male ich
im höchsten Risiko, weil ich mich eigentlich schon von diesen
Bildern verabschiedet
habe. So nach dem Motto: Da ist nichts mehr zu retten. Und dann
entstehen neue Assoziationen. Strukturen wie bei Urban oder die
sogartigen Wirbel eines
Hurricane. Und schon entsteht eine neue Ebene, an der ich weiter malen kann.
VG:Wenn ich mir Ihre Bilder genauer ansehe, scheinen sie eine Mischung
aus kalkulierten farbphysikalischen Prozessen und bewusster Malerei zu
sein.
Ja klar, das ist ja auch was mich interessiert. Jeder Aquarellist kennt
das. Wie kann man den Effekt der Verläufe kontrollieren. Pollock
hat ein Lebenswerk
darauf aufgebaut, auch Georgia O’Keefee oder Paul Jenkins. Ich
meine genau das, wenn ich sage, dass ich Malerin bin. Mir geht es doch
nicht um Magnolien.
VG: Manchmal sehen die Details ihrer Bilder aus wie der Zoomritt von
Google Earth auf unsre Welt. Gibt es für Sie da Verbindungen oder
Inspirationen.
Ja und nein. Ich kann verstehen was Sie meinen, aber es ist nicht
Google Earth. Wenn ich fliege, und ich fliege seit ich 16 bin aktiv,
sehen ich die Welt als
Muster. Je höher desto formaler. Das ist wie wenn Sie sich Himmel
ansehen. Ich meine diese Wolken diese Lichter und Farben könnte
man sich doch nie
ausdenken. Da bekomme ich unglaubliche Energie. Turner wird
plötzlich so klar und so logisch. Er wollte einfach das malen was
er gesehen hatte und hat
dafür unglaubliche Möglichkeiten erfunden. Sein Meer und sein
Himmel sind einfach nicht mehr Gegenständlich. Wenn sie sehr hoch
fliegen, können sie dieses
Gefühl vielleicht verstehen.
VG: Sie meinen, Sie fliegen selbst?
Das ist in Kanada nicht ungewöhnlich. Mein Vater war Wasserballer,
aber da gab es für mich in Regina nichts zu erben. Also habe ich
irgendwann mit der
Fliegerei begonnen. Gefällt mir sehr und wenn es mit der Malerei
nichts wird, kann ich immer noch damit mein Geld verdienen.
VG: Sie leben heute in Miami und München
Ja. Beide Orte haben natürlich persönliche Verbindungen, aber
das Grundsätzliche ist schon, dass ich im Moment nicht an einer
Stelle bleiben will.
Deutschland ist die Heimat meiner Eltern, ich spreche die Sprache und
mir gefällt München. Berlin wäre vielleicht eine
Alternative, mal sehen. Und Miami
kann wirklich sehr viel reizvoller sein als Regina, Saskatchewan, auch
wenn ich dort sehr glücklich war. Aber ich habe dort eigentlich
immer gefroren.
VG: Sie haben gerade Ihre erste Ausstellung in Stuttgart in einer noch sehr jungen Galerie. Wie ist es dazu gekommen.
Reiner Zufall. Ein Freund zeigte Fotos meiner Arbeiten einem Art Miami
Basel Besucher und der hat sie an Mario Strzelski weitergegeben. Und
Mario hat
mich zu einer Ausstellung eingeladen. Wie das halt so geht. Meine erste Ausstellung, wow.
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