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Stefan Wieland Schnell wie die Sonne
Formen, Farben, Material verweisen auf das, was einmal war – oder was gewesen sein könnte, neben dem, was noch kommt. Zufällig passiert nichts. Die schwankende Grenze zwischen Kunst und Design betritt Stefan Wieland heimlich und verlässt sie mit
bleibenden Fußspuren. Verweise, Zitate und bestehende Unsicherheit
- mit diesen drei Worten spielt er in seiner Werkreihe „Schnell wie die Sonne“, die da beginnt wo sein kurzer Schatten endet.
Sichtbar wird die Planlosigkeit des Abstrakten, bei der nichts dem Zufall überlassen wird – zwischen Natur und deren kompromissloser Umkehrung in die Künstlichkeit. Zwar bedient sich Wieland mit Linien, Kreisen und Dreiecken bei den Grundformen der Geometrie; das macht er aber durch die Künstlichkeit des Materials wett. Auf einfachen Holzrahmen schafft er sich eigene Leinwände, die sowohl von hinten wie von vorne bearbeitet werden.
Sucht man Deutungssicherheit in der Kunstgeschichte, sind es Namen wie Lichtenstein, Richter, Pollock, Toroni und Buren die nahe liegen. Buren begann in den 60er Jahren auf der Suche nach dem ‚Nullwert’ der Malerei und mit genau ausgemessenen Strichen jegliche Rückschlüsse auf die schaffende Hand des Künstlers aus seinem Werk zu verbannen. In Wielands Werk tauchen Burens Striche wieder auf – unter einer Schicht von Acrylglas und in greller Farbigkeit.
Die Materialität der Werke stellt einen Aspekt dar, der sich wesentlich näher am Werk selbst festmachen lässt. Epoxidharz, ein harter Kunststoff eigentlich geeignet zum Bootsbau oder zur Innenrohrsanierung, Acrylglas, Bindfaden, Filzstifte: manchen Bildern verleiht er so eine zarte Reliefform und verweist damit zurück auf den Träger. Der Gesellschaftstheoretiker Niklas Luhmann sagt, das Medium wird nur durch seine Störung sichtbar und behält auch hier recht: Indem Wieland den ebenen Acrylglasfläche fast unsichtbar ihre Zweidimensionalität nimmt, entführt er das Bild vom klassischen Begriff des Tafelbildes und dem, was wir von einer Glasfläche erwarten.
Seiner Werkserie gibt er den Namen ‚Schnell wie die Sonne’, einem Satz zwischen Oxymorom und verwirrender Metapher - denn die Sonne ist es doch, die als einzige Konstante im Weltall statisch ihren Platz behält. Trotzdem zeugen Wielands Bilder vom Brennen, Flimmern und Verglühen: einerseits durch die hellen Neonfarben aber andererseits auch durch den Schaffensprozess des Arbeitens mit schmelzenden Kunststoffen. Wahrnehmung, Rezeption und Form: Was den Himmel erhellt wirft auf der Erde lange Schatten. Nicht nur zufällig fühlt man sich an seine vorhergehenden Werke mit dem Titel Am Ende meines kurzen Schattens erinnert. Immer impliziert das Leuchtende auch das Dunkle, und genauso kann man sich bei Wieland nie sicher sein ob er nicht vor allem das zeigt, was eigentlich im Verborgenen bleiben würde.
Arnika Fürgut
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