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Schmirgel gegen Schmirgel
Zu den aktuellen Arbeiten von Martin Bruno Schmid
Bohren und schmirgeln? Was zunächst nach idyllischer Heimwerkerarbeit klingt, ist tatsächlich maßgebliche
kollektive Praxis der westlichen Welt. Aus den Tiefen der Erde holen wir das Öl, schwarzschillernde Dopingsubstanz
des Wohlstands. Der Wohlstand erst gestattet neues Körperdesign: In Modemagazinen begegnen uns nurmehr
geglättete, gerodete Menschenleiber mit schmirgelglatter Haut. Im realfleischlichen Raum wiederum durchbrechen
und verletzen Piercings die perfekten Oberflächen, Endoskope bohren tief in den Körper, auch die postmoderne
Architektur arbeitet mit mannigfaltigen Durchbrüchen und Öffnungen der Bau-Körper. Dies also ist der wahre
Geist des Abendlands: Bohren (Durchbrechen der Oberflächen, Vorstoß in alle Tiefen und Untiefen) und Schmirgeln
(Glättung, Schleifung, Antiseptisierung der Oberflächen).
Vor diesem Hintergrund erst erschließt sich das vordergründig hermetische Werk von Martin Schmid in all seinen
Facetten. Schmid schmirgelt die Cover von Modemagazinen, bis die Schmirgelleiber der Models verschwinden und
das Magazin wie ein modernistisch-abstraktes Kunstwerk anmutet. Er spielt Schmirgel gegen Schmirgel aus, wenn er
Schmirgelpapier
schmirgelt, bis an einigen Stellen die Schmirgelfläche nahezu
entkörnt ist und ebenfalls puristisch-abstrakte
Züge
annimmt. Er bohrt mal brachial, mal minimalinvasiv in Wände,
Acryl, Papier, bis die Oberflächen mit einem Netz
mal feiner, mal grober Verletzungen überzogen sind. Kurzum: Schmid begegnet dem Zeitgeist durch Akte subversiver
Affirmation. Zielen die Herren der Schmirgelzeit auf eine Sphäre kontrollierter, antispetischer und geometrisierter
Sinnlichkeit, so appropriiert Schmid ihre Techniken – hin zu einer Ästhetik der Abweichung in Schleifspuren.
Jörg Scheller
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